In meinem Einfamilienhaus habe ich mich bewusst für ein BUS-System anstelle einer klassischen Elektroinstallation entschieden. Ziel war es, Beleuchtung, Heizung, Jalousien und weitere Verbraucher zentral, flexibel und möglichst energieeffizient steuern zu können – und vor allem auch später noch an veränderte Bedürfnisse anpassen zu können.
Warum ich mich für das LCN-Bussystem entschieden habe
Aus meiner Sicht hat das LCN-System zwei entscheidende Vorteile.
1. Die vergleichsweise einfache und kosteneffiziente Verkabelung
Die Verkabelung ist denkbar unkompliziert, da für den Bus selbst lediglich eine zusätzliche Ader benötigt wird. Das bedeutet konkret:
Für einen Raum werden neben den üblichen drei Adern für L1, N und PE lediglich eine zusätzliche Ader für den Bus (D = Daten) verlegt. Diese läuft im gleichen Leerrohr bzw. Kabel mit.
Wichtig ist aus meiner Erfahrung, bei einem Neubau alle Leitungen für Leuchten und schaltbare Steckdosen direkt in die Verteilung zu führen. So lassen sich die intelligenten Relais zentral in der Elektroverteilung bündeln, anstatt sie dezentral im Haus zu verteilen. Das spart Kosten und sorgt für mehr Übersichtlichkeit.
Im Wohnzimmer kamen bei mir beispielsweise acht Adern zusammen, in den meisten anderen Räumen waren es fünf bis sechs. In der Verteilung kann die Verdrahtung dann sauber und übersichtlich auf die benötigten LCN-Module erfolgen.
Im Gegensatz zu anderen Systemen wie KNX oder Loxone wird kein separates Bus-Netz benötigt, das zusätzlich parallel zur herkömmlichen Elektroinstallation aufgebaut werden muss. Das war für mich ein klarer Pluspunkt.
Kleiner Erfahrungswert (Stand 2022):
Bislang gab es keinerlei Störungen im BUS-System. Lediglich die Wetterstation wurde nach etwa acht Jahren einmal ausgetauscht. LCN war dabei sehr kulant und hat mir das Ersatzgerät für 50 % des Neupreises angeboten.
2. Dezentrale Intelligenz ohne zentrale Abhängigkeit
Der zweite große Vorteil ist für mich die dezentrale Struktur. Jede Komponente im Bus-System arbeitet eigenständig – es gibt keine zwingend erforderliche zentrale Steuereinheit. Sollte einmal ein Bauteil ausfallen, laufen alle anderen Komponenten ganz normal weiter.
Gerade dieser Aspekt war mir wichtig: hohe Ausfallsicherheit und kein „Single Point of Failure“.
LCN Bus ins LAN bringen
2014 – Meine erste Visualisierungslösung
Für die Visualisierung und die Steuerung per Handy/App habe ich damals folgenden Weg gewählt:
Die LCN-Umgebung wurde über die LCN-PKU per USB-Kabel an einen Raspberry Pi 2 angeschlossen. Auf dem Raspberry lief linhk – ein sehr schlankes, vorinstalliertes Linux-System, bei dem die Daten auf einem USB-Stick gespeichert werden.
Mit durchschnittlichen PC-Kenntnissen ist diese Lösung gut beherrschbar – auch wenn man kein ausgewiesener Linux-Enthusiast ist. Für mich war das eine flexible und gleichzeitig kostengünstige Variante.
Über diese Schnittstelle habe ich dann die Anbindung an OpenHAB realisiert und so die Grundlage für meine Visualisierung und Automatisierung geschaffen.
2019 – Neue Möglichkeiten von LCN
Inzwischen bietet LCN unter den Kopplern mit der LCN-PKE eine fertige Lösung an, die direkt per LAN oder WLAN ins Netzwerk eingebunden werden kann. Damit ist die Integration deutlich komfortabler geworden als zu meiner ursprünglichen Lösung mit USB und Raspberry Pi.
Darüber hinaus gibt es von LCN noch die LCN-GVS bzw. LCN-GVS-Home als eigene Visualisierungslösungen.
Für mich kam das jedoch nicht infrage. Der Grund: Mit OpenHAB nutze ich nicht nur eine reine Visualisierung, sondern habe darüber auch die Integration weiterer Komponenten im Haus umgesetzt. OpenHAB ist für mich die zentrale Plattform, auf der alles zusammenläuft – und genau diese Offenheit war mir wichtig.
Rollos / Lamellen
Alle Rollos/Lamellen liegen auf Relais LCN-RxH in der Verteilung. Die kann ich dann über die Schalter in den Räumen direkt ansteuern. Das spielt sich somit im LCN Bus ab und noch nicht im OpenHAB. Ferner über Logiken im LCN-Bus (z.B. Gruppen), oder aber auch im Openhab (siehe Sonnenschutz).
Beleuchtung / Steckdosen
Für die Beleuchtung in den Wohnräumen habe ich LCN-SH und (wenn ich eine Ader in die Verteilung vergessen habe ) UPPs verwendet. Im Außenbereich und für schaltbare Steckdosen habe ich ebenfalls LCN-RxH Relais verwendet.
Schalter
Hier kommen sowohl neben verschiedene LCN-GTx Typen, auch herkömmliche Taster zum Einsatz. Die „normalen“ Taster werden über entsprechende Adapter an den Bus angeschlossen. In jedem Raum habe ich min. ein LCN-GT6 verbaut. Damit habe ich gleich einen Temperatursensor, der dann wiederum für die Heizungssteuerung genutzt werden kann. Im Bereich Flur / Durchgänge und Garage habe ich bewusst normale Taster eingebaut. Grund war u.a. die Robustheit, einfache Handhabung auch für Gäste.
Ich habe bewusst für jeden Relais Kontakt oder Dimmer im LCN Bus einen Schalter/Taster im LCN-Bus zugeordnet. Damit kann ich "manuell" (also wie im normalen Haus auch) alles unabhängig vom OpenHAB schalten.
Lessons learned
Die Glasflächentaster von LCN sind für Gäste, die das System nicht kennen, manchmal etwas gewöhnungsbedürftig. Deshalb habe ich für Bereiche wie den Eingang zum Gäste-WC herkömmliche Taster installiert. Gleiches gilt für die Eingänge und Ausgänge zum Wohnbereich/Flur, zur Garage und zur Schleuse/Waschküche – so können Gäste intuitiv das Licht bedienen, ohne erst die Technik verstehen zu müssen.
Alternativ habe ich in diesen Bereichen Bewegungsmelder aktiviert, die das Licht automatisch schalten – natürlich nur, wenn es dunkel genug ist. Das bedeutet: Selbst abends, bevor es richtig dunkel ist, geht Licht automatisch an, und ein Gast muss sich um das Ein- oder Ausschalten nicht kümmern.
Solche einfachen Funktionen habe ich direkt im LCN-Bus programmiert. Für komplexere Logiken, wie beispielsweise den Sonnenschutz, nutze ich OpenHAB. So trenne ich bewusst einfache, intuitive Steuerungen von den fortgeschrittenen Automatisierungen – und behalte die volle Kontrolle über mein Smart Home.
